Kultur: Gold, Weihrauch und Myrrhe

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Kostbarkeiten aus dem Morgenland

Zu den bekanntesten Erzählungen aus der Bibel dürfte die von den Weisen aus dem Morgenland gehören, die durch eine ungewöhnliche Himmelsbeobachtung nach Bethlehem geführt wurden und so als erste Personen von Rang den neugeborenen JESUS besuchten. Mit der Zeit wurden sie zu den Heiligen Drei Königen, die als Geschenke Kostbarkeiten aus ihren Herkunftsländern im Gepäck hatten. Ob es tatsächlich genau drei Weise waren und ob es sich um Sterndeuter, Magier, Könige oder alles zusammen handelte, lässt sich im Nachhinein schwer verifizieren. Die jedoch zu ebenso großer Berühmtheit gelangten “Schätze aus dem Morgenland” können aber zurückverfolgt werden.

Historischer Ursprung und Legende

Im Rahmen der Weihnachtsgeschichte erzählt das Matthäusevangelium von weise  n Männern, die den neugeborenen Christus in Bethlehem aufsuchen, um ihm ihren Respekt zu erweisen. Als Könige werden sie nicht bezeichnet und auch ihre Anzahl bleibt unerwähnt. Im griechischen Originaltext ist von ‚Magoiapoanatolon‘ – ‚Magiern aus dem Osten‘ – die Rede, ein Begriff, der allerdings auch für die zoroastrische Priesterkaste verwendet wurde. Einige Historiker vermuten daher, dass es sich bei den Magiern um Sterndeuter aus dem Reich der Parther handelt – einer in der Geschichte oft übersehenen Großmacht, deren Kernland die iranische Gebirgsregion Parthia südlich des Kaspischen Meeres war. Mesopotamien, das Zentrum des Reichs der Parther, war für seine astronomischen Kenntnisse berühmt. Die Episode mit den drei Weisen, die einem Stern gen Westen folgten, könnte also – legendärüberspitzt – von diesen historischen Gegebenheiten inspiriert sein.

Nach der Episode in Bethlehem kehren die Besucher scheinbar in ihre Heimat zurück, zumindest tauchen sie im Evangelium nicht mehr auf. KASPAR, MELCHIOR und BALTHASAR, die Weisen aus dem Morgenland, sind Ergebnis einer umfangreichen Legendenbildung: Aufgrund der wertvollen Geschenke wurden aus den Magiern Könige und aus der Zahl der Gaben wurde wohl auf ihre Anzahl geschlossen. Das Verkleiden und Sternsingen am Dreikönigstag ist ein heute noch vorhandener Bestandteil des über Jahrhunderte entstandenen Brauchtums um die Heiligen Drei Könige.

Eine Zahl mit großer Symbolkraft

Die Heiligen Drei Könige lassen sich als die drei biblischen Rassen der Semiten, Hamiten und Japhetiten, welche aus den Nachfahren der Söhne NOAHs hervorgingen, interpretieren. In der Ausschmückung der Legende personifizieren die drei Weisen nicht nur drei verschiedene Lebensstadien, sondern auch die drei bekannten Erdteile: Der junge Kaspar vertritt als Dunkelhäutiger den afrikanischen Kontinent, der greise Melchior wird oft bekleidetund geschmückt wie ein europäischer König dargestellt und Balthasar steht in den besten Jahren und repräsentiert den asiatischen Kontinent, wobei die Verteilung der Eigenschaften – je nach Quelle – mitunter anders dargestellt wird.

Auch dass die Besucher in der Legende genau drei einzelne Geschenke mitbringen, ist wohl kein Zufall: Die Zahl Drei ist mit großer Symbolkraft behaftet, galt sie doch bei vielen Völkern als heiligste aller Zahlen. In Mythen sowie in vielen Religionen werden häufig göttliche Konstellationen – von der Dreiheit der alt-ägyptischen Götter Osiris, Isis und Horus über die römische Triade Jupiter, Juno und Minerva bis hin zur christlichen Trinität aus Vater, Sohn und Heiligem Geist – durch die Zahl Drei gekennzeichnet. Ebenso spiegelt sich ihre besondere Bedeutung in Volksmärchen, in denen oft drei Wünsche, drei Brüder oder Ähnliches vorkommen, sowie in Redewendungen – „Aller guten Dinge sind drei“ oder „In drei Teufels Namen“ – wider.

Die Huldigungsgeschenke der Weisen aus dem Morgenland

Der Kirchenvater THOMAS VON AQUIN interpretierte die drei Gaben auf äußerst praktische Art und Weise: Gold gegen die Armut der Eltern, Myrrhe für die Gesundheit des Kindes und Weihrauch, um den Tiergeruch im Stall zu vertreiben. MARTIN LUTHER deutete die Kostbarkeiten als Symbole für Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Gaben der Weisen versinnbildlichen also in gewisser Weise, was der erwachsene Jesus lehren wird. Zweifellos waren Gold, Weihrauch und Myrrhe materiell wertvolle Geschenke. Darüber hinaus galten aber alle drei Substanzen im Altertum – und teils bis heute – auch als wertvolle Heilmittel.

Die Gabe von Gold ist seit jeher in vielen Kulturen eine symbolische Handlung: Bedeutende Persönlichkeiten werden durch das Kostbarste geehrt, was die Erde zu bieten hat. Gold bietet sich demnach als das angemessenste Geschenk für den neuen König an. Weihrauch wird üblicherweise dem Bereich der Tempel und Gotteshäuser zugeordnet und steht somit als Zeichen für den zukünftigen Hohepriester. Myrrhe kann auf zweierlei Weisen interpretiert werden: Zum einen handelt es sich dabei um eine Heilpflanze zur Arzneizubereitung, die also auf die  Rolle von Jesus als von Gott gesandter Heiler – oder ‚Heiland‘ – für die Menschheit verweisen könnte. Zum anderen stellt Myrrhe aber auch einen Bestandteil der Mixtur dar, die zur Einbalsamierung von Leichnamen verwendet wurde und könnte somit auch die Eigenschaft des sterblichen Menschen und eine Vorhersage seines Schicksals symbolisieren.

Die drei Gaben aus dem Morgenland eignen sich wunderbar als originelle Geschenkidee oder Souvenir mit besonderer Bedeutung. Dazu einfach ein hübsches orientalisches Holzkästchen mit einem Stückchen Gold vom Goldmarkt und einigen Körnern Weihrauch und Myrrhe – beide auf dem Gewürzmarkt oder in Bukhoor-Läden erhältlich – befüllen.

 

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