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AUSGABE Nr. 28 Mai / June 2011
125 Jahre Automobil - Und viele ganz persönliche Geschichten
125 Jahre Automobil, das sind 125 Jahre Erlebnisse, Erinnerungen und Ereignisse mit dem vierrädrigen Vehikel. DiscoverME hat Menschen in den Emiraten gebeten, ihre ganz persönliche Auto-Geschichte zu erzählen. Sei es die Erinnerung an das erste Auto, ein geschlachtetes Sparschwein für einen fahrbaren Untersatz, ein ganz besonderes Fahrzeug, das einem ans Herz gewachsen war oder eines, das ganz viele Zicken machte.
Claudia Karrenbrock, bei Liebherr verantwortlich für Service & Ersatzteile, Dubai: "Meine Autogeschichte ist der Beginn einer Ehe. Ich war frisch verliebt und wollte ganz schnell zu meinem neuen Freund Lars. Der wohnte in einer Sackgasse, in der nur sehr wenig Verkehr war. Endlich bei ihm angekommen, riss ich ohne Blick in den Außenspiegel die Fahrertür auf und das Malheur war passiert. Die Tür meines Polo Coupés war Schrott. Aus dem Nichts heraus stand da plötzlich ein Audi A4 und hatte heftige Schrammen auf der rechten Seite. Die Begegnung der beiden Autos war wohl ziemlich laut und mein Freund eilte auf die Straße, um sich liebevoll um mich und mein lädiertes Auto zu kümmern. Nach Feierabend hat er in dem Autohaus, in dem wir Kollegen waren, mit Hingabe mein Auto wieder flottgemacht. Heute sind wir verheiratet. Er musste seither kein Auto mehr für mich reparieren."
Karin Haferkorn, Public Relations Manager bei Audi Middle East, Dubai: "Bis ich nach Dubai kam, hatte ich gar kein eigenes Auto. Ich habe im Ausland studiert und brauchte nie eines. Meine erstaunlichste Autogeschichte hat sich also erst hier zugetragen. Ich war mit einem A6 in einen Unfall verwickelt, bei dem das andere Fahrzeug einen Totalschaden hatte. Mein Auto hatte dagegen nicht mal einen Kratzer abbekommen und auch mir wurde kein Haar gekrümmt. Die Polizei wollte daher anfangs gar nicht glauben, dass ich überhaupt in diesen Unfall verwickelt war."
Michael Marx, Manager bei BMW Aftersales Middle East, Dubai: "Meine schönste Autoerinnerung gilt meinem ersten Auto, einem BMW 318i, Baujahr 1992. Mit 18 Jahren habe ich begonnen, mit dem lindgrünen Ford Fiesta meiner Mutter Pizza auszufahren, um mir das Geld für mein erstes Auto zu verdienen. 1996 war es dann endlich so weit. Ich hatte das Geld für einen silbergrauen 318i zusammen. Mit negativen Folgen. Denn das Trinkgeld für die Pizzafahrten fiel von da an geringer aus, da die Leute dachten, ich sei der Sohn des Pizzeria-Besitzers. Das waren bedauerlicherweise nicht die einzigen Neider. Nach nur einer Woche in meinem Besitz wurde der BMW abends von ein paar Halbstarken mit Sprühdosen blau lackiert. Ich war geschockt. Obwohl es schon kurz vor Mitternacht war, machte ich mich sofort daran, die Farbe mit Terpentin abzuwaschen. Mit Hilfe von Familie und Freunden hatte mein heißgeliebtes Auto gegen zwei Uhr morgens wieder seine ursprüngliche Farbe – wenngleich auch etwas stumpfer. Seither habe ich zwar weitere zehn BMW mein Eigen nennen dürfen, aber der erste bleibt etwas ganz Besonderes. Und er fährt immer noch. Ich kenne sogar den heutigen Besitzer. Er wohnt in Kerpen – ganz in der Nähe von Michael Schumachers Eltern."
Klaus Ranner, Generalkonsul, Dubai: "Ich kann anhand meiner Autos fast meinen Lebenslauf erzählen. Mein erstes Auto war ein gelber Käfer, er sah fast aus wie ein Postauto. Ich habe ihn nur gekauft, weil ich für den Weg zum Studium nach Tübingen mit der Hohenzollerischen Landesbahn für knapp 40 Kilometer eineinhalb Stunden gebraucht hätte. Blumen pflücken während der Fahrt verboten! Den Käfer habe ich später fast mit Tränen in den Augen auf dem Schrottplatz abgeliefert. Da hatte er schon fast 220.000 Kilometer auf dem Zähler und der Motor lief immer noch wie ein Uhrwerk. Allerdings sah ich während der Fahrt den Straßenbelag durch die Löcher im Bodenblech. Mein nächstes Gefährt war ein uralter Audi Kombi. Der gab seinen Geist während meines ersten dienstlichen Auslandsaufenthalts in England auf. Nach dem Verschrotten musste ich den dann sogar noch verzollen, da es den Europäischen Binnenmarkt damals noch nicht gab. Der Abschied von dieser Schrottlaube führte allerdings dazu, dass ich mit meiner Familie – inklusive eines halbjährigen Kindes und eines Reisegepäcks von drei Monaten – in einer ziemlich chaotischen Aktion mit Fähre und Zug mit Umsteigen über zwei Bahnhöfe in Paris - den Heimweg nach Bonn hinter mich bringen musste.
Der Nachfolger dieses Autos war wieder ein Kombi, dieses Mal aber ein VW Passat. Der Kombi war mit Bedacht gewählt, weil die Versorgungslage an unserem damaligen Wohnort Warschau so bescheiden war, dass der Dienstherr jährlich drei Tage Urlaub für Versorgungsfahrten an den westlichen Vorposten in Berlin gewährte. Auf diesen Fahrten ging der gute Passat regelmäßig wegen Überladung in die Knie und die polnischen und DDR-Grenzer schauten immer ziemlich neidisch in den ihrer Kontrolle entzogenen Laderaum. Der war nämlich mit Dingen gefüllt, die sie nirgends bekommen konnten.
Später, nach meiner Versetzung nach Buenos Aires, nannte ich einen 3er BMW mein Eigen. Die argentinischen Behörden ließen sich allerdings ziemlich lange Zeit mit der Ausstellung der Nummernschilder. Zwei selbstgebastelte Pappschilder, jeweils vorne und hinten mit der Aufschrift "Embajada de la República Federal de Alemania" und mit ein paar gleichmäßig darauf verteilten Botschaftsstempeln haben so mehrere Wochen lang bei den argentinischen Polizisten für den nötigen Eindruck gesorgt, auch an den Kontrollstellen, die es damals an den Provinzgrenzen gab.
An einem Sonntag allerdings wurde ich von der Polizei angehalten, weil ich angeblich erheblich zu schnell gefahren sein sollte. Nach einer milden Ermahnung durch den Wachtmeister wollte ich mich gerade wieder auf den Weg machen, da bat er mich, die Motorhaube zu öffnen. Etwas verwundert fragte ich, warum. Seine Antwort: So eine Maschine wolle er schon immer mal sehen. Bei einer anderen Kontrolle wartete ich schon auf den Anpfiff wegen Geschwindigkeitsübertretung. Nichts dergleichen geschah. Der Polizist wollte nur in seinen etwa 50 Kilometer entfernten Heimatort mitgenommen werden. Mit der Obrigkeit auf dem Beifahrersitz musste ich mich natürlich erst einmal halbwegs an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten und der Polizist schaute auch ständig auf den Tacho. Irgendwann wollte er dann wissen, wie schnell der BMW fahren könne und verlangte mit leuchtenden Augen, die Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h selbst erfahren zu dürfen. Als ich ihn absetzte, bedankte er sich überschwänglich. So schnell sei er nach der Arbeit noch nie nach Hause gekommen. Kein Wort zu der massiven Ordnungswidrigkeit der Geschwindigkeitsüberschreitung!
Das größte Abenteuer mit diesem Wagen aber war die Fahrt über die Andenkordillere, dort wo auch der "Zug zu den Wolken" von Argentinien nach Chile fährt. Beim letzten Tanken auf der argentinischen Seite gab's nur Normalbenzin. Meine naturwissenschaftlichen Kenntnisse sind begrenzt, aber später sagte mir jemand, in der dünnen Luft in der Höhe reiche der Sauerstoffgehalt ohnehin nicht zur vollständigen Verbrennung von Superbenzin aus. Der BMW hat das obendrein mit Ethanol versetzte Benzin jedenfalls klaglos geschluckt und eine gewisse PS-Reserve hatte er ja auch. Nach einem Polizeiposten, wo ich zu Mate und einer Zigarette eingeladen wurde, ging es dann immer weiter hoch, bis zur Passhöhe auf 4.670 Metern. Davon habe ich dann ein Foto gemacht und an BMW geschickt. Die haben das auch prompt in der Werkszeitung veröffentlicht.
Das dicke Ende sollte aber noch kommen. Nach einer atemberaubend schönen Fahrt über Sand- und Schotterpisten, vorbei an schneebedeckten erloschenen Vulkankegeln und Salzlagunen, in denen Dutzende von rosafarbenen Flamingos standen, gaben plötzlich die Schrauben des Schutzgitters unter dem Motor nach und das ganze Gitter rauschte mit großem Krach nach hinten weg. Die nächste menschliche Siedlung war hunderte von Kilometern entfernt und am Wegesrand lag ein ziemlich unfreundlich aussehendes Skelett – wahrscheinlich von einem Lama. Zu allem Überdruss bemerkte ich, dass der Tank meines BMW's bei der Aktion ein kleines Loch abbekommen hatte.
Da erinnerte ich mich daran, dass mir ein Freund früher einmal erzählt hatte, dass Kaugummi aushärtet, wenn er mit Benzin in Verbindung kommt. Der Tipp des Freundes bewahrheitete sich. Das Loch im Tank war zumindest bis zur ebenfalls ziemlich abenteuerlichen Reparatur in einer chilenischen Werkstatt geschlossen und die Reparatur-Schweißnaht hat gehalten, bis ich den Wagen vor der nächsten Versetzung verkaufte.
Bei einer späteren Fahrt über eine Piste in Patagonien mit meiner damaligen Freundin hat sie mir sachverständig und zupackend geholfen, in lausiger Kälte einen Reifen zu wechseln. Das war ein weiterer Grund, warum ich sie später gefragt habe, ob sie mich heiraten will. Der Reifenwechsel liegt jetzt fast ein Vierteljahrhundert zurück und wir sind immer noch miteinander verheiratet.
Im Laufe der Jahre fuhr ich noch einen Fiat, einen Toyota Landcruiser, einen Landrover Discovery und zwei weitere 3er BMW. Letzterer der beiden hat nach Aufenthalten in Indien, Berlin und Miami mittlerweile fast zwölf Jahre auf dem Buckel und fährt immer noch wie eine Eins. Er hat vor kurzem sein neuntes Nummernschild bekommen und steht jetzt meist in einer Tiefgarage neben einem Dienstwagen mit einem Stern und unserem Porsche Cayenne Turbo, der sich mehr an der Tankstelle aufhält als auf der Straße. Zur Tarnung als deutsche Biedermänner steht auf der hinteren Hutablage des BMW der berüchtigte Wackel-Dackel und im Porsche steht auf der hinteren Abdeckung eine mit einer gehäkelten Hülle versehene Rolle Toilettenpapier – ein Abschiedsgeschenk von einer lieben Kollegin auf meinem letzten Dienstposten vor Dubai."
Michael Halbig, COO Risk Management bei Thomson Reuters, Dubai: "Ich bin kein Autonarr, aber ich habe Freude an schönen Autos. Ich besitze einen 1970er Mercedes 280 SL, den ich aus der Schweiz mit in die VAE gebracht habe. Ein Auto, mit dem ich schon länger geliebäugelt hatte. In Zürich, meinem vorherigen Wohnort, sieht man viele dieser Autos auf den Straßen – fast schon häufiger als im Museum. Und wie es der Zufall will, hatte ein benachbarter Autohändler einen zum Verkauf angeboten und ich konnte nicht widerstehen. Mittlerweile hat er 93.000 Kilometer auf der Uhr und täglich werden es mehr. Denn sobald die Sonne scheint, fahre ich mit dem Oldtimer. Allerdings habe ich lange überlegt, ob ich dieses Fahrzeug mit nach Dubai nehme. Zum Leidwesen meines Bruders, der sonst während meines Auslandsaufenthaltes das Auto bekommen hätte, habe ich ihn doch mit in den Container gepackt. Und aller Unkenrufe zum Trotz gab es keinerlei Probleme bei der Registrierung. Und egal, wo ich mit dem Auto auftauche, werde ich ständig gefragt, ob er zum Verkauf steht. Ich habe den Wagen nun aber mehr als ein Jahrzehnt und denke nicht im Traum daran, ihn herzugeben. Vielmehr spiele ich mit dem Gedanken, diesem Oldtimer noch ein wenig Gesellschaft zu beschaffen. Ein 300 SL, eine Corvette Stingray und ein Porsche 356 stehen dabei auf meiner Wunschliste ganz oben."
N. Al Junaibi, Abu Dhabi: "Es geht einfach nichts über einen Mercedes-Benz. Ich habe eine ganz besondere Beziehung zu dieser Marke und liebe diese Fahrzeuge. In den vergangenen drei Jahren habe ich mir eine stattliche Sammlung von 20 seltenen und exklusiven Modellen dieser Marke zugelegt. Für mich ist Mercedes-Benz die beste Marke. Egal, wie alt die Fahrzeuge sind, die Qualität ist nicht zu toppen. Die schönsten Stücke meiner Sammlung sind ein S72 AMG von 1995 und ein 560 SEC Widebody von 1984. Letzterer ist meiner Meinung nach eines der besten Autos, die Mercedes jemals gebaut hat. Der S72 AMG dagegen ist ein Auto, das nur auf Bestellung gebaut wurde und es macht mich stolz, dass ich einen mein Eigen nennen kann. In meiner Sammlung habe ich darüber hinaus noch mehrere Fahrzeuge mit spezieller Design-Ausstattung. Leider habe ich viel zu wenig Zeit, die Autos alle zu fahren. Obendrein behandle ich diese Schmuckstücke wie meine eigenen Kinder. Selbstverständlich habe ich hin und wieder Lust, sie so richtig auszufahren, am Ende aber sind sie mir zu wertvoll. Am meisten Freude macht es mir, die Power dieser Autos zu spüren."
Omar Nakcho, Präsident des Mercedes-Benz-Club VAE, Dubai: "Mein schönstes Autoerlebnis ist noch ganz jung. Ich habe den ersten und bislang einzigen Mercedes-Benz-Club in den VAE gegründet (www.mercedesclubuae.org). Wir haben bereits 25 Mitglieder. Uns geht es hauptsächlich um den gegenseitigen Erfahrungsaustausch und um Tipps und Tricks zur richtigen Pflege und zum Unterhalt unserer Autos. Später sind auch gemeinsame Ausfahrten geplant. Ich bin selbstverständlich auch ein großer Mercedes-Fan und habe selbst etliche Fahrzeuge. Zuletzt habe ich deshalb sogar Ärger mit Emaar bekommen. Ich hatte meine Fahrzeuge rund um mein Haus in den Springs geparkt und dabei offensichtlich zu viele Parkplätze beansprucht. Emaar hat mich daher offiziell darum gebeten, einen anderen Parkplatz für meine Autos zu finden."
[ME]