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AUSGABE Nr. 32: Januar – Februar 2012
Volle Kraft voraus
Die Kreuzfahrtindustrie boomt in Dubai und Abu Dhabi
Die Kreuzfahrtindustrie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist noch ganz jung und in vollem Ausbau, aber mit bereits 267 geplanten Schiffsanläufen bzw. -abreisen für 2012 in die Häfen von Dubai, Abu Dhabi und Fujairah stehen laut Cruise Market Watch die VAE mit 371 Schiffsanläufen auf Platz 2 im Nahen Osten, hinter Israel. Seit 2006 fahren internationale Kreuzfahrtlinien von Dubai aus und in dieser Wintersaison zum ersten Mal auch von Abu Dhabi. In diesem Jahr sollen etwa 143.000 Reisende in Dubai oder Abu Dhabi an Bord gehen - in der Mehrheit der Fälle für eine sieben-Nächte-Kreuzfahrt, um einige Highlights der Region zu erkunden. Der deutsche Markt ist dabei ein Schlüsselmarkt für Kreuzfahrtgäste.
Weltweit kennt die Kreuzfahrtindustrie keine Rezession und laut Angaben von Cruise Market Watch verzeichnete die Branche 2011 ein Wachstum von 5,6 %. Um das Geschäft weiter anzukurbeln, haben die Kreuzfahrtgesellschaften über die Jahre ihr Angebot vervielfältigt: mit kürzeren Strecken, Zwischenstopps in mehr lokalen Häfen und einem größeren Angebot an Reisezielen, Ausflügen und Aktivitäten. Auch in Krisenzeiten nimmt man Urlaub und eine Kreuzfahrt mit ihrem Pauschalangebot inklusive Übernachtung, Essen und Aktivitäten stellt eine Möglichkeit dar, die Ferienkosten besser zu planen. Verglichen mit dem Preis von einer Übernachtung in einem Hotel ist eine Kreuzfahrt auch preisgünstiger. Der Kreuzfahrtmarkt in den VAE hat ein sehr großes Wachstumspotenzial, denn dieses Urlaubsangebot ist noch weitgehend unbekannt in der Region. Schließlich stammen nur 0,3% des weltweiten Einkommens der Kreuzfahrtindustrie aus dem Nahen Osten und Afrika und 85,9% immer noch aus den Vereinigten Staaten und Europa. Dabei ist „Royal Carribean“ schon seit 17 Jahren in den VAE vertreten, um für ihre Kreuzfahrten Werbung zu machen und eine Sensibilisierungskampagne für dieses Angebot zu führen. Lakshmi Durai, Executive Director von Royal Carribean im Nahen Osten, war sogar froh, als der Film Titanic 1997 herauskam und der Bekanntheitsgrad von Kreuzfahrten dadurch wuchs. 2011 war ein Rekordjahr für Royal Caribbean: Die Anzahl der Gäste aus dem Nahen Osten für Kreuzfahrten der drei Brands „Royal Carribean International“, „Celebrity Cruises“ und „Azamara Club Cruises“ sind um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Wie in den vergangenen Jahren blieb Europa mit mehr als 75% aller Buchungen das beliebteste Reiseziel. Laut Alfredo Spadon, Commercial Manager von MSC Cruises, gäbe es auch in der deutschen Bevölkerung sehr wenig Information über das Angebot, beispielsweise darüber, dass Kreuzfahrten besonders für Familien und Kinder geeignet sind. Auch wenn die Marketing-Strategen der Kreuzfahrtgesellschaften ein jüngeres Publikum anlocken wollen, ist der Anteil von Passagieren unter 30 bisher gering. Weltweit sind 74% der Gäste über 40 und 20% bereits im Rentenalter.
2006 war ein Schlüsseljahr für den Ausbau der Kreuzfahrtlinien, die von der Golfregion aus starten. Damals bot die erste internationale Linie „Costa Cruises“ Kreuzfahrten ab Dubai an. Inzwischen hat im Februar 2010 ein neuer Cruise Terminal in Dubai eröffnet, der eine Größe von 3.450 m² hat und in dem vier Schiffe gleichzeitig anlaufen können. 2011 wurde auch in Abu Dhabi ein neuer provisorischer Kreuzfahrtterminal am Hafen Mina Zayed eröffnet, der seit dem 29. Oktober als Heimathafen für die MSC Lirica dient. Langfristig plant die Abu Dhabi Tourism Authority Investionen für einen permanenten Cruise Terminal in Abu Dhabi. Euromonitor International in Dubai beschreibt den Kreuzfahrttourismus als einen Schlüsselbereich für das Wachstum der Region, der die globalen Ausgaben im Bereich Tourismus und damit die Wirtschaft ankurbeln soll. Kreuzfahrtgäste kehren in vielen Fällen für längere Aufenthalte zu den Heimathäfen zurück und die VAE können dadurch als touristisches Reiseziel bekannter werden, auch bei Passagieren, die Länder im Nahen Osten sonst nicht bereisen würden. Die Kreuzfahrtindustie hat zudem direkte Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft, zum Beispiel durch die Ausgaben der Gäste für Flugtickets, Übernachtungen, im Verkehrsbereich oder für Essen und Getränke. In den Anlaufhäfen der VAE sollen die Gäste und Schiffbesatzungen 2012 beispielsweise geschätzte 88 Millionen Euro ausgeben. Gerade in den Wintermonaten haben die VAE ein großes Potenzial, sich als beliebtes Reiseziel zu etablieren.
In den letzten Monaten gab es bedeutende Angebotserweiterungen der drei größten Kreuzfahrtlinien in den VAE, die 82 Prozent des Kreuzfahrtmarktes in der Region ausmachen: Costa Cruises (40,8%) und Royal Carribean (28,8%), MSC Lirica (12,4%). Die Wintersaison 2011/2012 ist die erste in der Region für das Kreuzfahrtschiff MSC Lirica.
Als die MSC Lirica am 29. Dezember nach einer weltweit einmaligen Kreuzfahrt von Dubai aus in Abu Dhabi ankam, wurde sie mit spektakulärem Feuerwerk vor der Skyline von Abu Dhabi, traditionellen Yolla - und Ayallah-Tänzen sowie Falknerei-Vorführungen empfangen. Das Kreuzfahrtschiff hatte den Hafen von Genua am 14. Oktober für seine erste Reise in die VAE verlassen. Die italienische Firma, die seit 2003 bereits 5,5 Millionen Euro in die Kreuzfahrtindustrie investiert hat und in mehr als 45 Ländern vertreten ist, will sich in den kommenden Jahren fest auf dem Markt in der Region des Nahen Ostens etablieren. Am 31. Oktober 2011 startete die Wintersaison der MSC Lirica mit der ersten von 19 einwöchigen Kreuzfahrten von ihrem neuen Heimathafen in Abu Dhabi aus. Innerhalb einer Woche besuchen die Passagiere Sehenswürdigkeiten der Region in Dubai, Fujairah, Khasab und Muscat. MSC wird in der Region von „Sharaf Travel“ vertreten, einem Reiseveranstalter, der in direkter Verbindung mit den lokalen Firmen steht. V. Jayaram, Managing Director von Sharaf Travel, erklärte zuversichtlich, dass sich die Kreuzfahrtindustrie in der Region sehr schnell entwickeln würde. Für die nächste Saison plant MSC schon eine Ausdehnung auf 25 Kreuzfahrten und ein zweites Schiff, die MSC Opera. Der deutsche Markt spielt für MSC eine wichtige Rolle, da die deutschen Gäste einen Anteil von 12% darstellen.
Die VAE und Oman werden bei Royal Caribbean zunehmend ein beliebtes Reiseziel. Wegen der hohen Nachfrage hat das Unternehmen dieses Jahr die Wintersaison in den VAE von vier auf sechs Monate erweitert. Das Schiff Brilliance of the Seas bietet 18 sieben-Nächte-Kreuzfahrten in den VAE und Oman sowie zwei zwölf-Nächte-Kreuzfahrten in Dubai und Indien an. Kreuzfahrten von Royal Carribean sollen den Gästen immer ermöglichen, einen ganzen Tag auf dem Meer zu verbringen, das Schiff zu genießen und die Aktivitäten an Bord zu entdecken. Beispielsweise kann man dort klettern, Mini-Golf oder im Casino spielen und für Teenager gibt es sogar eine eigene Diskothek. Für Royal Carribean ist der deutsche Markt ein bedeutender Quellenmarkt: 13% der Kreuzfahrtgäste stammen aus Deutschland.
Auch die Kreuzfahrt-Linie Costa, die bereits ihre sechste Wintersaison in den Vereinigten VAE anbietet, baut ihr Angebot dieses Jahr aus und intensiviert die Zusammenarbeit mit dem Emirat Dubai. Heiko Jensen von der Geschäftsleitung der Costa-Vertretung in Deutschland merkt dazu an: „Seit Costa im Dezember 2006 als erste internationale Kreuzfahrtreederei Dubai als Basishafen für Turnuskreuzfahrten durch die Region nutzte, haben sich die Emirate bei uns während der Wintermonate als hochwertige Kreuzfahrtdestination fest etabliert, gerade auch bei Gästen aus Deutschland. Wir unterstreichen unser Engagement zusätzlich, indem wir im Winter 2011/2012 mit der ‚Costa Favolosa‘ das neueste und modernste Schiff der Costa-Flotte in Dubai positionieren – ein Schiff mit einem sehr hochwertigen Angebot an Bord, wie es ideal zu Dubai passt.“
Der Hafen von Dubai wird nun aber vielleicht zum Friedhof von Queen Elisabeth 2 (QE2), die von vielen als das berühmteste und beliebteste britische Kreuzfahrtschiff betrachtet wird. Das Schiff wurde 2008 von Nakheel erworben und sollte zu einem Hotel auf dem Meer umgewandelt werden. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde das Projekt jedoch bislang nicht umgesetzt und die QE2 verweilt nun, vier Jahre später, noch immer im Hafen Port Rashid. Alle Möbel und Kunstwerke stehen wie zu den glamouröseren Zeiten der langen Karriere der QE2 noch fast unberührt an Bord; jedoch weist die alte Weltreisende mittlerweile undichte Stellen und Zeichen von Schimmel auf.
Alle Zahlen, die in dem Artikel genannt werden, sind der Cruise Market Watch Databank entnommen, die Statistiken über 190 Schiffe und somit für mehr als 80% der Schiffe weltweit zur Verfügung stellt.