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AUSGABE Nr. 32: Januar – Februar 2012

Rechenbeispiel
Lohnt sich der Export des Traumwagens aus den VAE?

Wer träumt nicht davon, einen schicken Porsche, Daimler oder Audi in der Garage stehen zu haben? Mit einem Lamborghini Kurven zu räubern oder eines der vielen anderen Premium-Fahrzeuge sein Eigen zu nennen beziehungsweise endlich ein Auto zu besitzen, welches nicht jahrelang Eigentum der Bank ist? Für die meisten Otto-Normalverbraucher aber bleibt dies ein Traum – allein der finanziellen Möglichkeiten wegen. Es sei denn, man lebt für eine Weile in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Hier liegen die durchschnittlichen Autopreise zumeist weit unter den deutschen. In manchen Fällen liegt die Ersparnis bei bis zu 30 Prozent. In den VAE werden Fahrzeuge erschwinglich, die in Deutschland unerreichbar schienen. Und die Chancen, dieses Fahrzeug mit in die Heimat zu nehmen, stehen nicht schlecht. Doch es gibt ein paar Fallstricke, die den Preisvorteil schnell zunichte machen können.

Der Durchschnittspreis für einen Neuwagen in Deutschland betrug im ersten Halbjahr 2011 etwa 26.000 Euro. Im Vergleich zu 1980 – damals kostete ein Auto im Schnitt knapp 8.500 Euro – sind das 17.000 Euro mehr. Laut einer Studie des CAR-Center for Automotive Research der Universität Duisburg-Essen ist Mercedes Spitzenreiter unter den teuersten Neuwagen - vor BMW und Audi. Für einen Benz sind im Vergleich der 20 größten Automarken im Schnitt knapp 42.000 Euro fällig. So ist es nicht verwunderlich, dass es manchem VAE-Expat in der alten Heimat vor den Schaufenstern der Autohändler Tränen in die Augen treibt und sich der Gedanke verfestigt, den eigenen Wagen bei der Rückkehr in die Heimat als Umzugsgut in den Container zu packen. Ein Unterfangen, das sich durchaus rechnen kann, sofern man ein paar wichtige Punkte beachtet – und das Auto im Wüstenstaat entsprechend gepflegt hat.

Werner Kletzka, Inhaber des Logistik-Unternehmens Windrose Express, beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema und verschifft jährlich 40 bis 50 Fahrzeuge aus den VAE nach Deutschland. Am häufigsten sind das Edel-Karossen wie Lamborghini oder Porsche. Danach folgen Fahrzeuge der Oberklasse wie BMW, Mercedes oder Supersportwagen wie Ferrari. Den Traumwagen als Umzugsgut mit in die alte Heimat zu nehmen, schlägt allein für den Transport mit bis zu 3.000 Euro (Seefracht) oder 8.000 Euro (Luftfracht) zu Buche. Dazu kommen Kosten für die Transportversicherung, die Abmeldung bei der RTA und eventuell für eine offizielle Bescheinigung vom deutschen Konsulat – immer vorausgesetzt Eigentümer und Fahrzeug erfüllen gewisse Kriterien (siehe Infokasten).

Andernfalls kann es teuer werden und Ärger im Heimatland ist vorprogrammiert. Beispielsweise dann, wenn das VAE-Fahrzeug umgerüstet werden muss oder wenn die geforderten Kriterien nicht vom Eigentümer erfüllt werden. Dann müssen unter anderem zusätzlich Kosten für die Umrüstung des Fahrzeuges sowie Einfuhr- und Mehrwertsteuer berappt werden. Das kann sich je nach Fahrzeug schnell um ein paar tausend Euro handeln.

„Erfüllt das Fahrzeug die aktuelle Euronorm, dann halten sich die Kosten für den Import des Autos nach Deutschland in Grenzen. Teuer wird’s, wenn der Wagen auf EU-Standards umgerüstet werden muss oder nicht als Umzugsgut deklariert werden kann“, warnt Kletzka. Er rät daher, sich vorab umfassend zu informieren. „Grundsätzlich aber gilt ein Fahrzeug als Umzugsgut, wenn der Eigentümer mindestens ein Jahr in den VAE gelebt hat und das Auto mindestens ein halbes Jahr auf den Eigentümer zugelassen war.“ Eine Bescheinigung über die Aufenthaltsdauer in den VAE könne man sich vom deutschen Konsulat ausstellen lassen, die Dauer der Zulassung gibt es von der RTA. Kletzka empfiehlt überdies, die Kaufrechnung gut aufzubewahren: „Die ist letztlich ein wichtiges Dokument – sei es wegen eventuell anfallender Einfuhrsteuern oder als Nachweis über die Eigentumsdauer.“


Die meisten Logistikunternehmen, die einen Autotransport anbieten, wüssten zumeist über die Details Bescheid. Eine umfassende Information im Vorfeld ist unerlässlich. „Von der Abmeldung des Fahrzeuges hier in den VAE bis zum Verladen und dem Transport muss man 14 Tage einkalkulieren“, sagt Kletzka. Und die Abmeldung bei der RTA muss persönlich erfolgen, gegebenenfalls könne aber auch eine Vollmacht ausgestellt werden. „Einfacher ist es aber allemal, wenn man dies selbst erledigt“, sagt Kletzka. Die Details, wie das Fahrzeug für den Transport vorbereitet werden muss, erfahre man von dem jeweiligen Spediteur. Seine Firma könne überdies auch Spezialisten in Deutschland empfehlen, falls eine Umrüstung des Fahrzeugs nötig sei.
Das ist allerdings in den wenigsten Fällen tatsächlich nötig beziehungsweise betrifft zumeist „nur“ die Elektronik in den Autos wie beispielsweise den Geschwindigkeitswarner, die vorprogrammierten Serviceintervalle oder das fest eingebaute Navigationsgerät. Alle diese Einstellungen sind allerdings softwareseitig zu beheben und daher nur Kosmetik. Abgesehen davon sollte man aber nicht außer Acht lassen, dass die Fahrzeuge hier in den VAE extremer belastet werden als beispielsweise in Europa. Die schlechte Qualität des Kraftstoffs durch extrem hohen Schwefelgehalt, Hitze und Sand können den Fahrzeugen zusetzen, insbesondere Bauteilen wie z.B. der Kraftstoffpumpe, dem Motor sowie allen Gummiteilen.


Sollte man also mit dem Gedanken spielen, das Auto später mit in die Heimat zu nehmen, empfiehlt es sich, bei der routinemäßigen Wartung des Fahrzeuges größere Sorgfalt an den Tag zu legen. Um beispielsweise einer Motorverschlammung und damit später einem eventuellen Motorschaden vorzubeugen, raten Experten daher, nur hochqualitatives Öl zu verwenden und die vom Hersteller empfohlenen Serviceintervalle gegebenenfalls nochmals zu verkürzen und das Öl bereits alle 10.000 Kilometer zu wechseln. Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch die bei manchen Herstellern verbauten Faltenbälge der luftgefederten Achsen. Die vielen Speedhügel und das Klima lassen diese Verschleißteile unverhältnismäßig schnell altern.


Eine gute Nachricht für alle Expats, die ein Auto aus den VAE mit in die Heimat nehmen wollen, haben die deutschen Automobilhersteller. Egal ob Volkswagen, Audi, Mercedes, Porsche oder Skoda, die Neuwagen dieser deutschen Hersteller werden auch in den VAE mit den aktuell gültigen EU-Normen ausgeliefert und in den Produktionsstätten gefertigt, in denen auch die Fahrzeuge für den europäischen Markt hergestellt werden. Für diese Fahrzeuge ist es also kein Problem, die so genannte EWG-Bescheinigung und damit im Heimatland einen Fahrzeugbrief zu bekommen. Kostspielige Einzelgutachten und das Umrüsten des Fahrzeuges auf europäische Standards fallen somit weg.


Der Traum vom eigenen Porsche, Daimler oder Audi muss also keiner bleiben – den vergleichsweise günstigen KFZ-Preisen und den hohen technischen Standards in den VAE zum Dank. Deutschland ist zumindest im EU-Vergleich generell das Land mit den höchsten Neuwagenpreisen. Anfang 2011 lagen die Preise laut EU-Kommission in Brüssel dafür um 7,7 Prozent über dem Durchschnittspreis in den 17 Ländern der Eurozone. Am preiswertesten sind Neuwagen in Dänemark, Ungarn und Großbritannien.

Info-Kasten mit Voraussetzungen und Tipps:

  • Das Fahrzeug muss mindestens ein halbes Jahr auf den eigenen Namen zugelassen sein.
  • Der Aufenthalt in den VAE muss mindestens ein Jahr betragen – Bestätigung beim Konsulat einholen.
  • Das Fahrzeug sollte den aktuellen EU-Standards entsprechen (bsp. Abgasnorm, Linkslenker, Tachometer mit km/h-Anzeige, Beleuchtung).
  • EWG-Bescheinigung, auch COC Papier genannt, beim Hersteller anfordern. Ohne die muss in Deutschland ein Einzelgutachten erstellt werden, das ist teuer.
  • Kaufvertrag gut aufbewahren; er dient als Nachweis über die Besitzdauer.
  • Muss das Fahrzeug umgerüstet werden, Umrüstanleitung beim Hersteller anfordern – das ist allerdings kostenpflichtig.
  • Gegebenenfalls Serviceintervalle (Ölwechsel etc.) verkürzen, um die Lebensdauer des Fahrzeugs zu erhöhen (Bsp. Motorverschlammung), nur hochwertiges Motorenöl (vollsynthetisch) verwenden.
  • Schon beim Neuwagenkauf prüfen, welche Abgas-Norm das Fahrzeug erfüllt (gegebenenfalls direkt beim Hersteller nachfragen)

Drei Fahrzeuge im Vergleich (Angaben ohne Gewähr):
Porsche 911 Carrera GTS:
Motor: 3.8 Liter, 6-Zylinder Boxermotor
Leistung: 300 kW (408 PS)
Max. Drehmoment: 420 Nm bei 4200 U/min
Fahrleistung: Höchstgeschwindigkeit von 306 km/h
Preis: ab 395.000 AED
Preis in Deutschland: ab 104.935 Euro

VW Golf GTI:
Motor: Vierzylinder-Ottomotor, vier Ventile je Zylinder, 1984 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung: 155 kW (210 PS)
Max. Drehmoment: 280 Nm bei 1700/min
Fahrleistung: Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h
Preis: ab 110.000 AED
Preis in Deutschland: ab 27.700 Euro


Skoda Superb Kombi:
Motor: 2.0 Liter TSI
Leistung: 147 kW (200 PS)
Max. Drehmoment: 280 Nm bei 1700-5000/min
Fahrleistung: Höchstgeschwindigkeit von 234 km/h
Preis: ab ab 118.000 AED
Preis in Deutschland: ab 29.950 Euro

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